Aus der bis heute gefürchteten „Asiatischen Phase“ von chrizzytop: „Kakokushi!“ Schönen Sonntag noch.

Aus der bis heute gefürchteten „Asiatischen Phase“ von chrizzytop: „Kakokushi!“ Schönen Sonntag noch.

Super Nummer: Wir empfehlen wärmstens einen ersten Durchlauf durch die Performance mit geschlossenen Augen (knapp viereinhalb Minuten). Dann einen zweiten mit offenen.
Kann heute abend ich fahren, Papi?
Gymkhana (gesprochen Jimkäinah bzw in englischer Lautschrift jim-kah-nuh, griech. Sportlicher Geschicklichkeitswettbewerb) ist eine in den 1960ern entstandene Motorsportart, die als Breitensport die Geschicklichkeit des Fahrers fordert und in der es vor allem auf Fahrzeugkontrolle bzw. -beherrschung ankommt. Sie gewinnt seit den 1980ern immer mehr an Popularität, vor allem in Japan, Großbritannien und den USA.
15.02.2009 – Die letzte Fahrt
Die Nacht in Zürich ist gut. Wäre die gesamte Reise so verlaufen, hätte ich locker noch eine Woche mehr gemacht.
Die letzte Fahrt in einem komfortablen Schweizer Zug führt durch eine verschneite Landschaft. Jede Minute freue ich mich mehr auf München, auf die Wirtschaft gleich um die Ecke beim Hauptbahnhof, auf zu Hause.
Die erste Runde Taxi ist vorüber.

Und seit heute Abend ist chrizzytop wieder auf altdeutscher Scholle. Welcome back. Projekt wird fortgesetzt. Bleibt getuned.
Nachdem ich meinem neuen Wohnungsnachbar den ganzen Sonntag lang bei unfassbar vulgärem und lautem Fickgetöse zuhören muss, also: bei einem grölenden, grunzenden, kraftschwulen Gay-Massaker, also: bei Szenarien, die von der Audiospur her nicht mehr viel mit Schulmädchenreport 1 bis 15 zu tun haben – nach Auswertung all dieser Fakten also wird mir die Geschichte vom Japaner an sich und dem Sex an sich nochmal ein wenig klarer. Der Japaner an sich hat nämlich gern noch dünnere Wände als ich – meine sind zwar aus der materialknausernden Nachkriegszeit, aber immerhin aus Ziegelsteinen; beim Japaner an sich sind die ja bekanntermaßen aus Papier oder Lotosblättern oder hauchdünnen Sashimi. Deswegen holt sich der Japaner bei unerwarteter Aufwallung sexueller Gefühle entweder einen runter, Anregung liefert ihm die dauerjunge Garde der „Gravure Idols„, oder er geht zum echten Sex ins Love-Hotel. (Zeugt aber dabei niemals Nachwuchs, großes Problem).
Kann das alles seit heute bestens verstehen: Wer erst versehentlich, dann unausweichlich dem theatralischen Geficke seiner überaktiven Nachbarn beiwohnen muss, der verlegt die eigenen Aktivitäten höchstens noch in den Sex-Club oder illusioniert sich mit gebrauchter Damenunterwäsche aus dem Automaten ein Schulmädchen seiner Wahl. Auf keinen Fall aber will er jemals wieder zuhause Sex haben. Argh.

Japaner an sich, im Porn-Himmel / Foto: Héctor García [kirainet.com]
P.S.: Idol sein ist fein. Dass der Japaner an sich das Zen erfunden hat: is nach Lektüre dieses Videos ja wohl klar.
14.02.2009 – Sofia – Milano – Zürich
Saugutes Gefühl, in Sofia im alten Terminal zu sitzen und auf den Flug nach Milano zu warten. Sehr kleiner Flughafen, Rollfeld direkt an der Wartehalle, schneebedeckte Berge im Hintergrund, soweit man sehen kann. Da macht der ganze Flughafenzirkus gleich 3000-mal mehr Spaß. Musik von Kraftwerk, Trans Europa Express, rundet das nostalgische Gefühl ab und ich würde am liebsten einen Rave starten.
Dass ich die Expedition „Taxi Europa“ nur zur Hälfte durchgehalten habe, stört mich kein Bisschen. Es geht heimwärts, dass zählt, nur noch zwei Städte, zwei Taxler fotografieren, fertig.
Hab seit einem Tag nichts mehr gegessen, die letzten Kopeken am Flughafen für Eistee auf den Kopf gehauen. Durst! In der Disko zum Whisky trinken eingeladen worden, eine Flasche. Hoffe, meine Bankkarte funktioniert in Milano… keine Romanzen ohne Finanzen!
Mein Sitznachbar im Flugzeug erklärt mir, die Innenstadt sei eine Stunde entfernt vom Terminal. Gut, hab ne halbe Stunde, falls was nicht klappt. Prompt haben wir Verspätung, in Milano erreiche ich meinen Zug zwei Minuten vor Abfahrt. Schwing mich in einen Sessel und bemerke die mehr als hübsche, junge Frau mir gegenüber.
Wir kommen ins Gespräch, sie gibt mir ihre Wasserflasche, nachdem ich sie nach dem Speisewagen gefragt und ihr von meiner Reise erzählt habe. Sie steigt in Lugano aus, ich fahre weiter nach Zürich und besuche dort Radek, einen Studienkollegen auf Auslandspraktikum.

So lacht der Brite – bester Sexism nach unserem beta-bescheidenen Geschmack: „Women, know your limits!“, ein Clip aus der BBC 2-Comedyserie „Harry Enfield and Chums“ der 90er Jahre. Absoluter Geniestreich des frühen Harry Enfield, der später nicht mehr so wahnsinnig viel Glück mit seinen Produktionen hatte, aber für diesen Clip, seinen bekanntesten, zum Betabuben ehrenhalber ernannt wird. Bitte Urkunde und Zugangsdaten abholen unter beta ätt betabuben pnkt com.
12.02.2009 – Bukarest – Sofia
Ich komme in Bukarest um 17:30 Uhr an und überlege, nur für drei Stunden zu bleiben, um weiter nach Sofia zu fahren. Entschließe mich trotzdem dann zu einer Übernachtung.
Am Bahnhof will mir gleich einer in die Tasche greifen, soll er ruhig, sind Rotztücher drin. Taschendieb hat auch gemerkt, dass ich ihn anschaue, und haut ab.
Ich frag einen Taxler, wie teuer es zu meinem Hostel ist. Sofort kommt irgendeine zwielichtige Gestalt und versucht, auf Englisch mit mir zu verhandeln. 20€ fordert er, ich ignoriere ihn, frage nochmal den Taxifahrer. DJ 20€ wird unruhig, hebt seine Stimme, um sich Nachdruck zu verleihen. Daraufhin bekomme ich einen kleinen Anfall, rede ihn charmant mit lauter Stimme und auf deutsch an, er solle sich doch bitte vom Acker machen. Frage höflichst den Fahrer nach dem Preis, bezahle 4€ und bekomme meine Taxifotos noch dazu.
Im Hostel kommen mir grölende Jungs entgegen, paar der Homies liegen bereits am Boden und pennen. Als die Dame von der Rezeption mir sagt, das Hostel sei ausgebucht, bin ich ihr nicht böse. Frage auf der Straße einen Polizisten nach dem Weg, er antwortet, das das nicht die beste Gegend ist und zeichnet mir eine Beschreibung, der ich folgen soll, damit mir nichts passiert.
Es geht langsam Richtung heimwärts.
Lissabon, Barcelona, Paris und Amsterdam müssen warten, habe keine Kraft mehr. Expeditions-Slang: Finanzielle Mittel knapp, körperliche Verfassung schlecht. Entschließe mich zur Heimreise.
Am nächsten Abend stehe ich am Fenster vom Nachtschnellzug. Auf dem gegenüber liegenden Gleis steht ein ukrainischer Zug mit Fahrtziel Odessa. Ich überlege, bleibe still stehen am Fenster, der Zug setzt sich langsam in Bewegung, ich lege mich schlafen.

09.02.2008 – „My friend“, Teil 2
Der zweitägige Aufenthalt in Istanbul ist interessant. Viel Kultur, noch mehr Übers-Ohr-Hauen-Lassen. Die allseits beliebte Phrase „My friend, where are you from?“ gibt’s an jedem Bazar und jeder Straßenecke. (In dieser Situation einfach höflich zurückfragen, woher der fragende Mensch denn selbst kommt. Irritierte Blicke und die Antwort „Istanbul???“ folgen. Gespräch zu Ende.)
Die Jungs vom Taxistand sind super. Erst ein paar Fotos von drei Taxlern, danach helle Begeisterung für das Projekt und Gruppenfoto mit allen!
Bei Vollmond nach Bukarest.
Immer ein tolles Gefühl, am Fenster im Zug zu stehen und auf das Abfahrtssignal zu warten. Viele Fahrgäste werden vom Bahnsteig aus verabschiedet, schön zum Anschauen. Mir winkt keiner.
Der Schlafwagen dieses Mal sauber und funktionierend, Dusche sogar vorhanden, allerdings fehlt der Duschkopf. Habe eh längst aufgehört, mich zu waschen – total überbewertet. „Mädels stehen auf rauhe, dreckige Jungs, die nach Straße riechen“, versucht mich mein Verstand zu überlisten, um den Körpergeruch mit Coolness auszublenden.
03:36 Uhr: Grenzübergang. Türkischer Grenzer schaut meinen Pass an, schaut mich an, schüttelt den Kopf, schaut den Stempel an, schaut sich seine Stempel an, verneint wieder… gibt mir irgendeinen Stempel. Scheint nicht zufrieden zu sein mit meinem Stempel, sagt etwas auf türkisch, ich frag ihn auf deutsch, er schaut mich an, überlegt, gibt mir meinen Pass zurück.
Bulgarien: Kein Stempel, gut, wenn die Jungs meinen! Dafür Aufforderung, mehrere Dokumente mit meinem Namen zu zeigen. Zum Glück hab ich meine Knax-Club Sparkassenkarte dabei, die haut mich raus.
Die andauernden Passkontrollen sind etwas anstrengend. Bulgarien zerlegt den Zug in Einzelteile, wir sind auch erst seit zwei Stunden mit Grenzkontrollen beschäftigt, bin inzwischen Fan von Neonlicht und kann ohne gar nicht mehr einschlafen.
Sultan Chrissy’s Expeditions-Jargon: Finanzielle Mittel knapp, beschließe trotzdem Weiterfahrt nach Bukarest. Körperlich erschöpft – Ausrüstung in besserem Zustand. Proviant neigt sich dem Ende zu, Wasser ist knapp. Fahrt dauert noch 12 Stunden.
Schlafwagentipps 2: In Bulgarien ist es kein Problem, während der Fahrt einfach mal die Waggontür aufzumachen, um gemütlich im Zug rauchen zu können.

Selbst für Zuschauer, die die gottgleiche Fernsehserie „Sopranos“ nicht kennen, ist dieses Video eine interessante, vielleicht auch kathartische Erfahrung. Vorher wissen muss man: Die Mafia-Dudes in dieser Serie fluchen absurd viel. Nachher weiß man: Sie fluchen wirklich ver-mother-fuckin-bullshit-dammt viel. Fast eine halbe Stunde lang, in 86 Episoden. Wissen wir, weil der Ami-Regisseur Victor Solomon alle Flüche der „Sopranos“ in chronologischer Reihenfolge zusammengeschnitten hat. Großes Dokument der Gegenwart.
Sopranos uncensored [victorsolomon.com]
via Boingboing
07.02.1009 – Sofia – Thessaloniki – Istanbul
Verkatert erwische ich den Zug am Morgen. Hatte ich endlich mal ein Bett – und trotzdem nicht geschlafen. Ich erinner mich vage, wir haben letzte Nacht dem „noch“ lebenden Fisch der Japanerin die Freiheit geschenkt. Zu dritt und mit dem Fisch ab ins Taxi und zum nächsten Fluss.
Die siebenstündige Fahrt nach Thessaloniki kommt mir ewig vor. Und warum spricht die wahnsinnig gut aussehende Grenzerin nicht genauso charmant mit mir wie mit dem kleinen Konstantin, der mein Sitznachbar ist?
Thessaloniki, Stadt am Meer, ist super. Sehr lockere und freundliche Griechen. Am Anfang heißt es, alles ist unmöglich – aber kaum spricht man drei Sätze miteinander: „Guuut, machen wir dieses Mal ne Ausnahme.“ So darf ich mein Mobilfunktelefon mitten in der Schalterhalle an einer Steckdose aufladen. Kleine Erfolgserlebnisse machen es aus.
Dass vier Jetski-Fahrer sich ein derbes Rennen mit ohrenbetäubendem Lärm auf offenem Meer liefern, will keinen in den Strandcafés so richtig interessieren. Sehr lustig zu beobachten: Der umherstreunende Hund, der mit großer Ruhe Vögel jagt, eigentlich nur, damit er sich ein bisschen bewegt.
Beim Taxlerstand gibt es ein großes „Ohooo“, als ich die Fotos vom mexikanischen Taxler präsentiere. Klar, da darf Griechenland nicht fehlen.
Sogar der griechische Schlafwagen ist der Hit. Komfortabel und alles funktioniert. Den Mädels aus Frankreich, nächste Tür, lass ich heute Ruhe, sollte mal selber schlafen.
Bullis Balkan-Tipps: Der ungeübte Schlafwagen-Fahrer outet sich durch die Masterfrage „Wann bekomm ich denn mein Zugticket zurück?“ Bleibt über Nacht beim Schaffner und gibt’s erst am Morgen.

Während Kollege chrizzytop schrullige Weiber, windige Zöllner, defekte Reggaefürsten und – vor allem – verschrobene Taxifahrer zwischen Bosporus, Schluckauf und Belgrad auf- und besucht, hängt daheim immer noch die Rote ab und erinnert wehmütig an unseren fernsten betabuben dieser Tage. Der gefälligst wohlbehalten heimkehren und in seinem langen Künstlerleben noch möglichst viele „Sportstudentinnen“ auf Leinwände malen möge.
Madame: Immer noch Jahrgang ca. 2006, jetzt aber: der Körperteil ganz links unten.

06.02.2009 – Der „Ein Akkord“ Mann
Die Fahrt nach Sofia: Normal bis angenehm. Der Australier von Beograd und ich haben ein Abteil im Schlafwagen. Bei Ankunft haut uns erstmal der nette Taxler richtig übers Ohr. Immerhin gibt es ein Foto zur Erinnerung, für’s Taxiprojekt.
Australien muss am Nachmittag weiter nach Athen, ich mache mich auf in ein Hostel. Cooler Kerl am Empfang, die üblichen Hostel-Granaten unterhalten sich am Tisch. Lange Haare, Jute-Hosen, nichts dagegen, Klischee bestätigt.
Abends geht’s auf eine Reggae-Party, alle um die 18 Jahre. SUPER! Immerhin: Mucke ist in Ordnung, bis der King seinen Gig hat. Es grenzt an Wahnsinn, ein ganzes Lied auf ein- und demselben Akkord + Offbeat zum obligatorischen Bongo-Mann zu spielen. Abgang!
Im Hostel: Die Langweiler schlafen, und so sitzen ein trinkfester Engländer, Australien 2 und zwei hübsche Belgierinnen bei gemütlichen Bier zusammen. Muss um 06:30 Uhr los nach Thesslaoniki.
