Von Alpine sind’s noch 60 Meilen auf der 118, immer geradeaus

Wir haben ihn gesucht, aber seinen genauen Zipfel Wüste nicht ganz gefunden: John Wells, 49, wohnt jedenfalls seit einem Jahr da irgendwo, in Südwest-Texas, nahe dem „Big Bend“-Nationalpark und kurz vor der Grenze zu Mexiko. Hier kann man gepflegt „Off the Grid“ leben, was in der amerikanischen DIY-Weltverbessererszene etwa als das neunte Chakra gilt. In Terlingua bei Mexiko beim Kaktus gleich links ist „Off the Grid“ allerdings kein Hobby, wie sonstwo in der nachhaltigkeitswilligen Welt. Wasseranschluss gibts hier keinen, Strom auch keinen, Straße nur wenns nicht regnet.

John Wells' Hütte in der texanischen Wüste (c) John Wells

„Top“, findet John Wells – nach 25 Jahren Leben und Arbeit in New York, einer okayen Fotografenlaufbahn (unter anderem als Assistent von whoa-Bruce Weber) und trotzdem genug Zeit für Hippie-Gedankengut. Im November 2007 kauft er sich anständige 160.000 Quadratmeter Wüstengrund – gibts hier für ein paar Tausender; im Dezember zimmert er sich eine 15 Quadratmeter große Hütte (Bild oben), zieht rein und nennt sie „The Southwest Texas Alternative Energy and Sustainable Living Field Laboratory“. Innerhalb eines Jahres baut John sich Trinkwasser-Aufbereitungssanlagen, Solarpanels, Solardusche, Windkrafträder und – Schmuckstück – eine Verdunstungs-Klimaanlage, die Außentemperaturen von über 45 Grad auf entspannte 23 Grad runterdimmt. Und ist stolz wie Bolle auf jeden Nagel, den er in seine Hütte reinklopft.

In taking inventory of my life to this point in time, I believe that over the years I have picked up just the right skills and mentality to live my dream of how I would do it if I had it to do all over again. I suddenly found myself at the perfect point in my lifetime to go for that dream. Rather than spend the rest of my life busting my ass so I can afford all the modern, pre-packaged conveniences that our „advanced“ society provides – I am putting that energy into providing for all my own needs. To quote some new friends of mine who have also chosen this lifestyle, „Every day, we get up, have coffee with the early morning, do chores, then get on with whatever project we have going… there’s often a choice. We go to bed tired, but very happy and peaceful.“

John Wells bei Seitenwind (c) John WellsUnd da lebt er, happy und peaceful, und denkt gar nicht daran, jemals wieder in einer Großstadt zu wohnen. Projekte für 2009: Neuer Solar-Wasserboiler, Gewächshaus, Gästehaus, neue Windturbine, Damm fürs Regenwasser, Himmels-Observatorium, Solarkocher, ach ja: und die Feuerstelle noch vergrößern. Sicher kein perfekter Ort, um die jahrzehntelang gehegte Depression oder die eigene Schrulligkeit in den Griff zu kriegen, aber: beeindruckend ist die Langsamkeit und Klarheit, die ein solches Leben hat. John Wells bloggt täglich vom Solar-Laptop aus seinem „Field Lab“. Geht oft ums Wetter. Ist ja auch nicht ganz unwichtig.

Weblog: The Field Lab [thefieldlab.blogspot.com]
Projektwebsite: Wie man sägt, kackt und bloggt in der Wüste [thefieldlab.org]

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter DIY, In Arbeit, Nerdism

Eine Antwort zu “Von Alpine sind’s noch 60 Meilen auf der 118, immer geradeaus

  1. Dr. Frascati

    Gips ja nich …

    I like.

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