Echt passiert Vol.1

Also Folgendes. Ein Freund, trainiert und unter 40, shoppte Buchsen. So nennt man Unterhosen, wo ich herkomme. Ich fand nur „Freund shoppte Buchsen“ besser als „Freund shoppte Unterhosen.“ So.

Freund shoppte also Buchsen im Kauhaus. Kaufhaus-Buchsen-Abteilung. Die Routine: Fünf mitnehmen, unbedingt in gedeckten Unitönen, bezahlen.
(Anmerkung: Das gedruckte Wort (Wochentage, Vornamen) sowie alles, was man auch zur Wandverschönerung einsetzt (also Tapeten- oder Tischdeckenmuster, Rapport, Comics, Icons etc.), hat auf Unterwäsche nichts verloren. Außer auf mancher, und die ist so gut wie ausgestorben. Also vergiss es!)

Dann das Fragezeichen über seinem Kopf: Anprobieren wo? Der Freund fragte eine füllige Fachverkäuferin um Erlaubnis. „Kann ich die mal anprobieren? Ich lass meine auch an und zieh die hier drüber.“

„Selbstverständlich“, sagte darauf die Buchsen-bewanderte Beraterin. Um das klar zu stellen: Wir sprechen hier nicht von irgendeiner Sorte Feger, sondern von deiner Mutter. Oder meiner. Also allgemein von der Art Frau, die für uns mehr den Status einer pflichtbewussten Pflegerin einnimmt. Einer Ersatzmutter, einzig dazu bestimmt uns zu behüten und vor schlecht verarbeiteten Buchsen zu bewahren. Es sind Frauen, denen wir uns anvertrauen, weil wir ihren Rat brauchen. Ihren Rat, wir wir unseren Arsch einpacken sollen. Und der ist es uns allemal wert.

Sie also „Selbstverständlich“, und wies ihm den Weg zu den Kabinen, der Freund folgte flugs.

Women Stop!

Women Stop!

WARUM der Freund hiernach die Kabine überhaupt verließ, um sich in Unterhosen im Spiegel anzusehen, ist mir bis heute nicht klar. Buchsen können ohne Spiegel spielend und in Windeseile von oben herab aus allen Richtungen begutachtet werden, es sei denn, man ist sehr, sehr dick. Man muss nicht im Kaufhaus herumlaufen und der Buchsen guten Sitz im Ganzkörperspiegel beurteilen. Aber was soll’s – er ist halt mehr so der exhibitionistisch veranlagte Typ, warum auch nicht. Ist schließlich sein gutes Recht.

„Sieht doch toll aus“, schrie die Textilien-Tante aufgeregt. Und als hätte sie sich zuvor in der Mittagspause einen Bananenlikör zu viel reingedonnert, nahm sie diesen verletzlichen Moment zum Anlass, ihm einen Lady-Chatterley-mäßigen „Klaps auf den Popo“ (oh Gott!) zu geben. Doch, im Ernst. Mit allem. Auch mit diesem Derber-Onkel-reißt-zotigen-Witz-Gnickern als Untermalung. Das muss man sich mal vorstellen!

Der Freund sagt mir, sein Gefühl in diesem Moment war ein einziges, erstauntes „Ey, Mann! Lass mich, ich hab nix gemacht!“ Er verstand die Welt nicht mehr. Da stand er. In seinen Unterhosen. Und vor ihm diese fremde Frau. Ihm wurde klar, dass sie sein Vertrauen missbraucht hatte. Sie hat die Regeln gebrochen, hat alles kaputtgemacht mit ihrer Gier. Denn eins ist sicher: Man möchte nicht, dass eine Frau jenseits des Klimakteriums in einer Servicesituation den Sex mit ins Spiel bringt. Nicht mal so’n kleines bisschen. Wirklich nicht. Sie hat ihre Verantwortung als gute Beraterin einem flüchtigen Moment geopfert und so für immer verspielt.

Der Freund aber trollte sich. Beschämt zog er sich an und zahlte. Ohne zu murren. Das macht mich stutzig. Kann man es hinnehmen, von Frauen, die unsere Mütter sein könnten, betatscht zu werden? Oder ist das vielleicht gar nicht schlimm? Oder ist es erst dann schlimm, wenn diese reifen Damen einem Geld dafür geben? Womöglich viel Geld? Wie sieht die adäquate Reaktion in diesem Moment aus? Nein, hinzunehmen ist es dem Grunde nach nicht. Aber eine Reaktion, die man erhobenen Hauptes und ohne beleidigend zu werden zeigen könnte, ist im gesellschaftlichen Miteinander nicht vorgesehen. Warum das so ist? Die Antwort schuldet uns Charles Bronson. Denk mal drüber nach.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Sexism, So läuft's Business

Eine Antwort zu “Echt passiert Vol.1

  1. Podcarsten

    Ich verneige mein Haupt vor dieser unbarmherzigen Geschichte und deiner Art, sie uns Mitjungs darnierderzubringen. Allerdings nursoweit, dass mir keine Übermittvierzigerin aufdie Buchse hauen kann, wa? Schongarnicht bei der nächsten Tangaanprobe. Regards.

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